Zwischen Paris und Burgund

Ein Geschenk darf man nicht zurücknehmen. Rossini tat’s. Er hat seinem König eine Oper, Il viaggio á Reims,  geschenkt, sie aber gleich wieder eingepackt und weitere Aufführungen verboten. Mehrfach hatte er mit seinen Opern eine Finte gelegt, manchmal den Auftraggebern ein Schnippchen geschlagen und ihnen, wenngleich er kaum als Opernrevolutionär gelten wird, die eine oder andere Neuerung untergeschoben. Gerade in Paris angekommen, wo sich die letzte Phase seines Opernschaffens vollenden sollte, dient er sich dem König mit einem Opernpräsent an. Solche Gelegenheitsstücke zu Geburtstagen, Hochzeiten und hohen Ehrentagen wurden den Komponisten seit dem Barock abverlangt; vermutlich hat keiner seiner Kollegen diese lästigen Pflichtaufgaben geschätzt und in den Lobpreisungen seine Erfüllungen gefunden. Anders Rossini, der nicht zu den üblichen heroischen und mythologischen Episoden greift, sondern den Anlass selbst zum Thema macht. Aber auch nicht wirklich. Anlass ist die Kaiserkrönung Karls X. in Reims, auf die sich das Sinnen und Sehnen einer zusammen gewürfelten Gesellschaft richtet, die im lothringischen Plombières sinnigerweise im Hotel zur Goldenen Lilie gestrandet ist. Gemeinsam wollen sie weiter nach Reims. Da aber keine Pferde aufzutreiben sind, findet Die Reise nach Reims nicht statt. Die Völkchen feiert sein eigenes Fest.

Rossini in Wildbad 2014: Szene aus "Il Viaggio á Reims"/Foto Patrick Pfeiffer RIW

Rossini in Wildbad 2014: Szene aus „Il viaggio à Reims“/Foto Patrick Pfeiffer RIW

Doch ganz kommt Rossini nicht um ein paar schöne Worte herum, weshalb er die Madame de Stael nachempfundene Dichterin Corinne ein Lob auf Frankreich und seinen König und die Vertreter der verschiedenen Nationen ein Potpourri der Nationalhymen und Visionen anstimmen lässt. Das war ein Riesenspaß, den Rossini mit den berühmtesten Sängern seiner Zeit ausrichtete, von denen sich die meisten mit Ensembleszenen und Einwürfen im einzigartigen Grand Pezzo Concertato a 14 Voci zufrieden gaben. Dabei sein war alles. Dann war es vorbei. Reste der Musik verarbeitete Rossini in seiner einzigen französischen Komödie Le Comte Ory. Bei den Rossini-Festspielen in Pesaro wurde Il viaggio a Reims vor 30 Jahren der völligen Vergessenheit entrissen. Niemals war die für den Alltag ungeeignete Oper wieder so gut besetzt gewesen wie damals.

Wiedereröffnet: Das Königliche Kurtheater/Rossini in Wildbad

Wiedereröffnet: Das Königliche Kurtheater/Rossini in Wildbad

Nachdem Alberto Zedda das Stück bereits 1998 in Bad Wildbad aufgeführt hatte, bot die Wiedereröffnung des Königlichen Kurtheaters den passenden Rahmen, um die Reise nach Reims, bei der keine Krönung, aber eine CD-Veröffentlichung lockt, nochmals anzutreten und Rossinis Krönungspräsent neuerlich auszupacken. Die Reisenden, junge Hoffnungsträger und bereits anerkannten Belkantisten, waren trefflich ausgewählt. Jedem Vergleich halten Bogdan Mihai und Maxim Mironov mühelos stand, zwei Tenöre, die die Höheflüge des Rossinischen Ziergesangs mit staunenswert sicher durchgebildeten, zwillingsgleich attraktiven Stimmen absolvierten, Mihai als französischer Cavalier Belfiore lyrisch verspielt, Mironov als russischer General Libenskof etwas kernig brillanter. Die Akustik des intimen Theaterchens schmeichelt den Frauenstimmen nicht, womöglich hatte Antonino Fogliani am Pult der auf der Bühne sitzenden Virtuosi Brunenses auch seine Mühe, die in seinem Rücken an der Rampe aufgereihten Solisten – die sich beim Großen Ensemble in Zweierreihen drängen – in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzten, weshalb auch Witz und Ironie Stückes etwas zu kurz kamen. Die Sopranistinnen klangen mitunter ungnädig grell, auch die technisch gut geschulte Alessandra Marianelli als Tirolerin Madame Cortese und Hausherrin des Hotels musste sich erst an die akustischen Gegebenheiten herantasten, mit denen Sofia Mchedlishvili mit ihrem brillant aparten, dunkel funkelnden Glitzersopran als hysterische Contessa di Folleville bühnenwirksam zurecht kam. Wie von ihr gewohnt, lyrisch ausgeglichen und engelsrein, sang Laura Giordano die Improvisationen der Dichterin Corinne, Marianna Pizzolato ließ sich als polnische Merchesa Melibea von ihrem russischen Galan nur zögernd aus der Reserve locken. Zwei entwicklungskräftige, gut fokussierte Baritonstimmen zeigten Baurzhan Anderzhanov und Gezim Myshketa als Badeart Prudenzio und spanischer Grande Don Alvaro, während die beiden Senior-Buffi Bruno De Simone als Don Profondo mit seiner politisch sicher nicht ganz korrekten Arie über nationale Gegebenheiten und Bruno Praticò als deutscher Major Trombonok vorführten, wie sich auch mit reduzierten Stimmmittel musikalisch Effekt machen lässt. Mirco Palazzi brachte die Figur des englischen Lord Sidney leider um ihre Wirkung, während selbst in kleineren Partien aufmerksame Sänger agierten. Nach nur zwei kostbaren Aufführungen zieht die Festkantate in veränderter Besetzung, aufgerüscht durch die Inszenierung des Festspielleiters, für drei Aufführungen in die Trinkhalle.

Rossini in Wildbad: Szene aus "Adelaide di Borgogna" mit Margarita Gritskova/Foto Patrick Pfeiffer/RIW

Rossini in Wildbad: Szene aus „Adelaide di Borgogna“ mit Margarita Gritskova/Foto Patrick Pfeiffer/RIW

Lebensfroh und  heiter blickt die Figur der Adelheid von der Innenseite des Meißner Doms herab. Zusammen mit ihrem verschreckt und bedrückt wirkenden Gatten Otto I. hatte sie das Bistum Meißen gegründet, wie auch das nördlich von Straßburg gelegene Kloster Selz, wo die zeitweise Königin von Italien und Kaiserin des ostfränkisch-deutschen Reiches ihre letzte Ruhestätte fand. Die heiliggesprochene Adelheid von Burgund gehört zu den bemerkenswerten Frauen an der Wende zum Hochmittelalter, was sicher nicht der Grund war, dass sie Gioachino Rossini zu Titelfigur seiner ersten ernsten Oper für Rom wählte: Adelaide di Borgogna (Foto oben/Patrick Pfeiffer/Rossini in Wildbad). Zwischen Armida  und Mosé in Egitto wie eine lästige Pflichtübung als Auftakt der Karnevalssaison 1818 rasch eingeschoben und am 27. Dezember 1817 im Teatro Argentina in Rom uraufgeführt, war der frommen Adelaide di Borgogna kein Erfolg beschieden. Die Oper erzählt von Adelheid, deren erster Gatte Lotario von Berengario und seinem Sohn Adelberto ermordet wurde und die nun auf der Festung Canossa festhalten wird, worauf sie den deutsche Kaiser Otto I. um Hilfe anruft. Ottos erster Italienfeldzug führt tief in die Zerrissenheit um die Mitte des 10. Jahrhunderts, erzählt von politischen Intrigen und Verrat und Adelheids und Ottos grenzenloser Liebe über politische Ranküne hinweg.

Rossini in Wildabad: Michael Spyres/Foto Darcey Boghard/Rossini in Wildbad sang ein bemerkenswertes programm aus dem repoertoire des legendären Rossini-Tenors:  "Hommage á Adolpge Nourrit -  Arien und Szenen aus dem Paris der 1820er und 30er Jahre   11. Juli  und 13. Juli 2014, 17 Uhr im  Königlichen Kurtheater, Bad Wildbad; David Parry begeitete. Am 11. und 13. Juli widmet sich eine zweiteilige Konzert-Hommage dem legendären Tenor und Rossini-Schüler Adolphe Nourrit. Auf dem Programm stehen moderne Erstaufführungen und großartige Arien, interpretiert von Michael Spyres, der zu den weltweit gefragten Baritenoren zählt.    Er war ein musikalischer Superstar und Liebling der Pariser Gesellschaft: der Tenor Adolphe Nourrit. Mit seiner reifen, klangvollen Stimme und großen Sängerpersönlichkeit stand Nourrit 15 Jahre lang im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens in der Seine-Metropole. Für diesen eleganten Sänger mit dem großen Ambitus komponierte Rossini großartige Arien. Michael Spyres kommt mit seiner warmen, perlenden Stimme mit baritonaler Tiefe und leichter Höhe diesem von Rossini besonders geschätzten Tenor vielleicht am nächsten. David Parry, international erfolgreicher und anerkannter Spezialist für die italienische Oper, dirigiert die zwei Abende zu Ehren Nourrits. Das Programm beinhaltet auch zahlreiche Raritäten, die in Bad Wildbad als moderne Erstaufführungen zu sehen sind, unter ihnen Le Philtre (Auber) und Stradella (Niedermeyer). Das Konzert wird für eine CD-Produktion durch den SWR aufgenommen.   Adolphe Nourrit (1802-1839), Sohn des großen französischen Tenores Louis Nourrit, gehörte zwischen 1826 und 1836 zu den großen Stimmen an der Pariser Oper. Sein Debüt absolvierte er bereits mit 19 in Glucks Iphigénie en Aulide . Als Schüler von Rossini interpretierte Nourrit alle Hauptrollen in dessen französischen Opern. Auch weitere Komponisten wie Meyerbeer und Halévy verstanden es, die Begabungen Nourrits am besten auszuschöpfen und schufen Arien für den gefeierten Baritenor. In seiner Rolle als Masaniello in der romantisch- nationalistischen Oper La Muette de Portici von Auber, entflammte er im August 1830 im Publikum den Ruf »vive la liberté« aus. Die nach der Opernaufführung ausgelösten Unruhen gegen die ungeliebte niederländische Herrschaft führten zur belgischen Revolution und schließlich zur Unabhängigkeit Belgiens. Neben seiner Gesangskariere verfasste Nourrit Librettos, schrieb Szenarien für das Ballett der Pariser Oper, unter anderem für La Sylphide mit Marie Taglioni und arbeitete als Komponist. Während seiner Lehrtätigkeit als Professeur de déclaration pour la tragédie lyrique am Pariser Konservatorium brachte er viele bekannte Sänger und Sängerinnen hervor, unter ihnen auch Marie-Cornelie Falcon, deren Name heute noch in Frankreich für den Stimmtyp des dunklen dramatischen Soprans steht. Trotz seines großen Erfolgs an der Pariser Oper verblasste sein Ruhm bereits in den späten 30er Jahren – 1937 verabschiedete er sich aus Frankreich und konzentrierte sich auf den italienischen Gesangsstil. Doch der Übergang vom französischen zum italienischen Stil erwies sich für Nourrit als fatal. Zu seinem Debüt in Neapel kam es erst 1839. Als die sängerische Entwicklung über ihn hinweg ging, schied Nourrit, psychisch und physisch angeschlagen, im selben Jahr aus dem Leben.

Rossini in Wildbad: Michael Spyres/Foto Darcey Boghard/Rossini in Wildbad sang ein bemerkenswertes Programm aus dem Repertoire des legendären Rossini-Tenors:
„Hommage á Adolphe Nourrit –
Arien und Szenen aus dem Paris der 1820er und 30er Jahre am 11. Juli und 13. Juli 2014 im
Königlichen Kurtheater, Bad Wildbad; David Parry begeitete.
Auf dem Programm standen Erstaufführungen in moderner Zeit und Arien. Nourrit war ein musikalischer Superstar und Liebling der Pariser Gesellschaft. Mit seiner reifen, klangvollen Stimme und großen Sängerpersönlichkeit stand Nourrit 15 Jahre lang im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens in der Seine-Metropole. Michael Spyres kommt mit seiner warmen, perlenden Stimme mit baritonaler Tiefe und leichter Höhe diesem von Rossini besonders geschätzten Tenor vielleicht am nächsten. Das Programm beinhaltete zahlreiche Raritäten, die in Bad Wildbad als moderne Erstaufführungen zu sehen sind, unter ihnen Arien aus Le Philtre (Auber) und Stradella (Niedermeyer). Das Konzert wurde für eine CD-Produktion durch den SWR aufgenommen.
Adolphe Nourrit (1802-1839), Sohn des großen französischen Tenores Louis Nourrit, gehörte zwischen 1826 und 1836 zu den großen Stimmen an der Pariser Oper. Sein Debüt absolvierte er bereits mit 19 in Glucks Iphigénie en Aulide . Als Schüler von Rossini interpretierte Nourrit alle Hauptrollen in dessen französischen Opern. Auch weitere Komponisten wie Meyerbeer und Halévy verstanden es, die Begabungen Nourrits am besten auszuschöpfen und schufen Arien für den gefeierten Baritenor. In seiner Rolle als Masaniello in der romantisch- nationalistischen Oper La Muette de Portici von Auber, entflammte er im August 1830 im Publikum den Ruf »vive la liberté« aus. Die nach der Opernaufführung ausgelösten Unruhen gegen die ungeliebte niederländische Herrschaft führten zur belgischen Revolution und schließlich zur Unabhängigkeit Belgiens.
Neben seiner Gesangskariere verfasste Nourrit Libretti, schrieb Szenarien für das Ballett der Pariser Oper, unter anderem für La Sylphide mit Marie Taglioni und arbeitete als Komponist. Während seiner Lehrtätigkeit als Professeur de déclaration pour la tragédie lyrique am Pariser Konservatorium brachte er viele bekannte Sänger und Sängerinnen hervor, unter ihnen auch Marie-Cornelie Falcon, deren Name heute noch in Frankreich für den Stimmtyp des dunklen dramatischen Soprans steht.
Trotz seines großen Erfolgs an der Pariser Oper verblasste sein Ruhm bereits in den späten 30er Jahren – 1937 verabschiedete er sich aus Frankreich und konzentrierte sich auf den italienischen Gesangsstil. Doch der Übergang vom französischen zum italienischen Stil erwies sich für Nourrit als fatal. Zu seinem Debüt in Neapel kam es erst 1839. Als die sängerische Entwicklung über ihn hinweg ging, schied Nourrit, psychisch und physisch angeschlagen, im selben Jahr aus dem Leben. RIW

Die erfolglose Adelaide di Borgogna wurde immer naserümpfend beäugt, woran auch die erste moderne Aufführung vor 30 Jahren nichts änderte. In Martina Franca hatte der Rossini-Apologet Alberto Zedda das Stück als Podium für die vokale Zirzensik zweier Primmadonnen gegeben, und nichts anderes ist die Adelaide, jedoch ohne Folgen; Pesaro hatte sich erst vor drei Jahren szenisch an das Stück gewagt, der sich nun die Produktion bei „Rossini in Wildbad“ anschließt, die zugleich die deutsche Erstaufführung sein dürfte und die, dem tosenden Applaus nach zu urteilen, die Sachlage etwas korrigieren könnte. Adelaide ist kein Meisterwerk, die Seccorezitative sind öde, vieles erinnert an frühere oder spätere Stücke Rossinis, wo er entsprechende Passagen und Arien einfach brillanter gelöst hat, doch in Adelaide herrscht ein nobler und ernster, mediäval eleganter Ton, eine geradezu selbstverliebte florale Belcantokunst, die ihre bildnerische Entsprechung in manchen hochmittelalterlichen Illustrationen hat, Adelaide ist sozusagen die kleinere Schwester von Rossinis frühem Sensationserfolg Tancredi, an den er bis in den Text von Ottos Auftrittsarie erinnert.

Rossini in Wildbad: Luciano Acocella dirigierte die "Adelaide"/Foto Acocella/DLR

Rossini in Wildbad: Luciano Acocella dirigierte die „Adelaide“/Foto Acocella/DLR

Die Hosenrolle des deutschen Kaisers sang die an der Wiener Staatsoper engagierte Russin Margarita Gritskova mit fabelhafter Präsenz und einem in allen Lagen ausgeglichenen, stilsicheren Mezzosopran. Die Gritskova besitzt nicht den schweren Kontraalt, an den Rossini hier dachte, adelt aber gleich ihre Auftrittsarie, deren Rezitativ sie durch kernige Diktion Relief verlieh und deren Allegro-Teil sie mit feinem Legato und sicherer, strahlkräftiger Höhe versah, die sie im Rondo-Finale nochmals triumphal einsetzte. Adelheid zeigt uns Regisseur Antonio Petris gleich während der aus dem komischen Einakter Il cambiale di matrimonio stammenden Ouvertüre als Diva mit Sonnenbrille, die dem Sarg des Gatten mit Haltung folgt. Petris streift der mittelalterlichen Heiligenfigur ihren Herrschermantel ab, zeigt sie im Unterkleid und führt ins Schlafzimmer der Kaiserin, wo sie sich am Ende mit Otto ins weiße Schleiflackbett kuschelt, zeigt dazwischen verletzte, in Frischhaltefolie gewickelte Krieger sowie Kämpfer, die mit Stühlen auf einander losgehen. Rossini hat den mittelalterlichen Faltenwurf sozusagen in seine Musik und die exzessive Vokalkunst übertragen, was Ekaterina Sadovnikova mit selbstbewusst dramatischen Rezitativ-Einwürfen im ersten Auftritt und einem lyrischen, elegischen umflorten Sopran und durchgehend virtuos pulsierender, nur gelegentlich etwas stockender Zierkunst beglaubigt. Mit den Randfiguren hat sich Rossini nicht aufgehalten: Dem Berengario verlieh Baurzhan Anderzhanov wütend würdevolle bassbaritonale Charakteristik, den schleimigen Adelberto, sicher eine der unsympathischsten Tenorpartien Rossinis, gab Gheorge Vlad als jammerlappiges, unter dem schneidend scharfen Kommando der Eurice (Miriam Zubieta) leidendes Muttersöhnchen. Der starke Beifall schloss die Virtuosi Brunenses, den Camerata Bach Chor Posen und den das relativ übersichtliche Seria-Geschehen heftig befeuernde Luciano Acocella mit ein (12.07./17.07.).

Nikolaus Schmidt   

 

Und dann gab es noch "Tebaldo ed Isolina" von  Francesco Morlacchi am 27.07.2014 im Kulturzentrum Trinkhalle, Bad Wildbad als konzertante Aufführung mit Antonio Fogliano/Foto Rossini in Wildbad am Pult.   Zu Zeiten Morlacchis war die im mitteldeutschen Altenburg spielende Oper um die verliebten Sprösslinge zweier verfeindeter Familien ein großer Erfolg und galt als Gegenstück zu Rossinis "Zelmira", in späteren Jahren geriet die Oper immer mehr in Vergessenheit.   Morlacchi schrieb die Rolle Tebaldos dem Kastraten Giovanni Battista Velluti auf den Leib, der diese Rolle zu seiner Paraderolle machte und selbst Rossinis Arsace aus "Aureliano in Palmira" verschmähte. 1825 schrieb Morlacchi die Oper für Mezzosopran um. Diese zweite Fassung wird bei ROSSINI IN WILDBAD mit Laura Polverelli in der Titelrolle zu hören sein. Polverelli hat sich mit Begeisterung dieser Aufgabe gewidmet und ist von den hohen musikalischen Qualitäten des Werks überzeugt. Neben ihr sind mit Anicio Zorzi Giustiniani als Boemondo und mit Sandra Pastrana als Isolina weitere erstklassige Solisten zu hören. Unterstützt werden sie vom Camerata Bach Chor Posen unter der Leitung von Ania Michalak und den Virtuosi Brunenses unter der Leitung von Karel Mitáš.

Und dann gab es noch „Tebaldo ed Isolina“ von
Francesco Morlacchi am 27.07.2014 im
Kulturzentrum Trinkhalle, Bad Wildbad als konzertante Aufführung mit Antonio Fogliano/Foto Rossini in Wildbad am Pult. Zu Zeiten Morlacchis war die im mitteldeutschen Altenburg spielende Oper um die verliebten Sprösslinge zweier verfeindeter Familien ein großer Erfolg und galt als Gegenstück zu Rossinis „Zelmira“, in späteren Jahren geriet die Oper immer mehr in Vergessenheit. Morlacchi schrieb die Rolle Tebaldos dem Kastraten Giovanni Battista Velluti auf den Leib, der diese Rolle zu seiner Paraderolle machte und selbst Rossinis Arsace aus „Aureliano in Palmira“ verschmähte. 1825 schrieb Morlacchi die Oper für Mezzosopran um. Diese zweite Fassung war bei ROSSINI IN WILDBAD mit Laura Polverelli in der Titelrolle zu hören. Neben ihr waren mit Anicio Zorzi Giustiniani als Boemondo und mit Sandra Pastrana als Isolina weitere Solisten zu hören. Unterstützt wurden sie vom Camerata Bach Chor Posen unter der Leitung von Ania Michalak und den Virtuosi Brunenses unter der Leitung von Karel Mitáš. Auch diese Aufführung erscheint auf CD.

Und dann noch: Neben den beiden großen Opern erfreuen sich die Konzerte der Akademie BelCanto beim Bad Wildbader Publikum größter Beliebtheit. Diese Konzerte, Rossini und Co genannt, finden im frisch renoviertem, hundertfünfundzwanzigjährigen Kurtheater statt. Aus den Masterclasses von Lorenzo Regazzo, er selbst ein in Wildbad (und weltweit) gefeierter basso cantante, stellte die Besten seiner Schüler in Opernszenen und Arien vor. Wem es gelingt als stiller Zuhörer beim täglichen Unterricht Lehrer und Schüler über einige Tage zu beobachten mit welcher Geduld Regazzo verbessert, ermutigt, der kann sich am Ende von den Fortschritten der Gesangseleven überzeugen. Aus der der Fülle der oft Weithergereisten seien nur einige herausragende Talente erwähnt. Anna Werle sang das Schlussrondo der Angelina aus La Cenerentola mit zauberhaft klingendem Mezzo, meisterte mühelos die Koloraturen und erfreute durch den Wohllaut ihrer Belcanto-geschulten Stimme. Zum Gaudium des Publikums hatte sich Maestro Regazzo etwas Überraschendes einfallen lassen: Im Duett Don Giovanni-Zerlina “La ci darem la mano”, von  Cornelius Lewenberg mit klangvollem, noblen Bariton gesungen, und mit einer süßstimmigen Alessandra Contaldo als Zerlina, tauchte plötzlich Anna Werle als zweite Zerlina auf, die sich den überraschten Don wohl teilen wollten. Einen beeindruckenden Bassbariton zeigte Matija Meic in einer Arie aus I Puritani und im Duett mit Anna Werle aus Cosi fan tutte. Handgreiflich ging es im Duett Norina-Don Pasquale zu, als die temperamentvolle Sopranistin Alessandra Contaldo dem gebeutelten Graziano Dallavalle  eine schallende Ohrfeige verpasste. Dem sympatischen Bass blieb nur noch ein klägliches “e finito Don Pasquale”. Zum guten Schluss sangen Contaldo, Yasushi Watanabe und Regazzo ein Terzett aus Rossinis L inganno felice, in welchem Regazzo nicht nur mit volltönender Stimme sondern auch mit seinem großen komödiantischen Talent prunken konnte. Begeisterter Beifall dankte den jungen Künstlern, die während des gesamten Unterichts und der Konzerte aufmerksam von Rosella Fracaros und Dimitri Candoni am Flügel begleitet wurden (25./26. Juli 2014).

Julia Poser